Der Beckenboden ist eine wichtige Muskelgruppe, die oft übersehen wird. Mit dem richtigen Training kannst du deinen Beckenboden stärken, Problemen vorbeugen und ein aktives und sicheres Leben führen. Hier erhältst du einen kompletten Leitfaden für effektive Beckenbodenübungen.
Ähnlich wie wir Arme und Beine trainieren, um unseren Körper stark zu halten, ist es wichtig, den Beckenboden fit zu halten. Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die den Boden des Beckens bildet. Sie funktionieren wie eine "Hängematte", die Blase, Darm und Unterleibsorgane stützt. Wenn diese Muskeln stark sind, helfen sie uns, die Körperfunktionen zu kontrollieren und geben Stabilität für Rücken und Becken.
Mit dem Alter verlieren die Muskeln auf natürliche Weise etwas von ihrer Elastizität und Stärke. Dies gilt auch für den Beckenboden. Bei Frauen können vorherige Schwangerschaften und Geburten eine Rolle spielen, während Männer nach Prostataoperationen Schwächen erleben können. Ein starker Beckenboden ist jedoch entscheidend, um eine gute Lebensqualität zu erhalten und Beschwerden zu vermeiden, die auftreten können, wenn die Muskeln zu schwach werden.
Warum ist Beckenbodentraining so wichtig?
Ein gut trainierter Beckenboden hat viele Vorteile. Vor allem ist es die effektivste Methode, um unfreiwilligen Urinverlust (Inkontinenz) vorzubeugen und zu lindern. Studien zeigen, dass gezieltes Beckenbodentraining bei 60-70 % der regelmäßig Trainierenden die Blasenprobleme verringern oder sogar ganz beseitigen kann.
Aber die Vorteile hören hier nicht auf. Ein starker Beckenboden trägt auch zu Folgendem bei:
- Bessere Körperhaltung: Der Beckenboden arbeitet mit den tiefen Bauch- und Rückenmuskeln zusammen, um die Körpermitte (Core) zu stabilisieren.
- Sturzprävention: Viele Sturzunfälle bei älteren Menschen passieren nachts aufgrund eines plötzlichen Harndranges. Durch die Stärkung des Beckenbodens kann oft die Anzahl der nächtlichen Toilettengänge reduziert werden, wodurch das Sturzrisiko sinkt.
- Mehr Sicherheit: Wenn du Vertrauen in deinen Körper hast, fällt es leichter, aktiv zu bleiben, an sozialen Veranstaltungen teilzunehmen und ohne Sorgen zu reisen.
Beckenbodentraining ist sowohl für Männer als auch für Frauen wichtig. Bei Männern unterstützt der Beckenboden Blase und Darm, und das Training kann besonders nach Operationen im Unterleib von Vorteil sein.
So findest du die richtigen Muskeln
Das Schwierigste beim Beckenbodentraining ist oft, die richtigen Muskeln zu finden. Da wir sie nicht sehen können, ist es leicht, stattdessen Gesäß, Oberschenkel oder Bauch anzuspannen. Ein korrektes Anspannen sollte sich wie ein Heben und Zusammenziehen im Körperinneren anfühlen.
Um die Muskeln zu finden, probiere Folgendes aus:
- Lege dich auf den Rücken mit angewinkelten Beinen und Füßen auf dem Boden. Entspanne deinen Körper vollständig.
- Stell dir vor, dass du einen Pups zurückhalten musst. Spanne den Bereich des Afters an.
- Spüre, wie sich das Anspannen nach vorne zum Harnröhrenbereich zieht und sich ein wenig im Körper hebt.
- Vermeide, das Gesäß anzuspannen oder die Luft anzuhalten. Du solltest ruhig atmen können, während du die Muskeln anspannst.
Ein korrektes Anspannen beginnt am After und breitet sich nach vorne zur Harnröhre aus. Es sollte sich anfühlen, als ob du den Beckenboden nach oben und innen ziehst - nicht als ob du nach unten drückst.
Dein tägliches Trainingsprogramm
Sobald du die richtigen Muskeln gefunden hast, bist du bereit zu trainieren. Um den besten Effekt zu erzielen, solltest du sowohl die Ausdauer als auch die schnelle Reaktionsfähigkeit der Muskeln trainieren. Hier ist ein einfaches Programm, das du täglich durchführen kannst:
1. Ausdauertraining
Diese Übungen trainieren die Fähigkeit der Muskeln, die Spannung über einen längeren Zeitraum zu halten.
- Spanne an und halte die Spannung für 5-10 Sekunden.
- Lass langsam los und halte eine Pause, die doppelt so lang ist wie das Anspannen (10-20 Sekunden). Es ist wichtig, dass sich die Muskeln vollständig entspannen können.
- Wiederhole 8-12 Mal.
2. Schnelle Anspannungen
Diese Übungen trainieren die Fähigkeit der Muskeln, schnell zu reagieren, beispielsweise beim Husten oder Niesen.
- Spanne maximal und kräftig für 1-2 Sekunden an.
- Lass die Spannung vollständig los.
- Wiederhole 10-20 Mal in schnellem Tempo.
Übe gerne zwei bis drei Mal am Tag. Das Schöne am Beckenbodentraining ist, dass es überall durchgeführt werden kann - während du fern siehst, ein Buch liest oder auf den Bus wartest. Denke daran, dass Muskeln lange brauchen, um aufgebaut zu werden. Es ist völlig normal, dass es 3-6 Monate regelmäßigen Trainings dauert, bis du die volle Wirkung spürst. Geduld und Ausdauer sind der Schlüssel.
Wenn du unsicher bist, ob du richtig anspannst, kann es eine gute Idee sein, einen Physiotherapeuten um Rat zu fragen. Eine falsche Technik kann im schlimmsten Fall bestehende Probleme verschlimmern.
Hilfsmittel, die Sicherheit während des Trainings bieten
Auch wenn das Beckenbodentraining äußerst effektiv ist, braucht es Zeit, um die Muskeln aufzubauen. Solltest du in der Zwischenzeit – oder aus anderen Gründen – Probleme haben, den Urin zu halten, gibt es glücklicherweise viele diskrete Hilfsmittel. Sie können dir die Sicherheit geben, die du brauchst, um ein aktives Leben ohne Sorgen zu führen.
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Mach das Training zum natürlichen Bestandteil deines Alltags
Das Training des Beckenbodens ist eine Investition in deinen Körper und deine Lebensqualität. Wenn du die Übungen zur festen Routine machst, ähnlich wie Zähneputzen, stellst du sicher, dass die Muskeln stark und elastisch bleiben. Es ist nie zu spät, anzufangen, und selbst ein kleiner Aufwand kann einen großen Unterschied für deine Sicherheit und dein Wohlbefinden machen.